Ho Narro -

alemannische Fasnet in Meersburg

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Die Meersburger Fastnacht gehört wohl mit zu einer der ältesten am Bodensee. Bereits 1360 lässt sie sich in Urkunden finden, als man von der Zeit zwischen „Wihennahten" (weihnachten) und der „Vasnaht" sprach..

schnabel.jpg (11603 Byte)Die Symbolfigur und gleichzeitig die älteste Figur der Meerburger Fastnacht ist der "Schnabelgiere." Er sieht aus wie ein Storchenvogel. Ein großer, mit rotem Filz bespannter Holzschnabel ist sein wichtigstes Merkmal. Es gibt ihn schon seit dem 13. Jahrhundert, aber nicht in Weiß, sondern in Schwarz und auch nicht als eine Art Storch, sondern als Rabe. Er war das Sinnbild für Krieg, Pest und Elend. Sein Ursprung geht wohl auf die alte germanische Vorstellung des Totenvogels zurück. - Die Toten auf dem Schlachtfeld mussten von diesem Totenvogel verzehrt werden, damit sie in das Totenreich der Helden gelangten.- Andere Legenden und Gerüchte sehen in ihm einen Pestarzt, der sich mit dem langen Schnabel vor Infektionen schützen wollte. Diese Vermutung ist wiederum bei den Experten aber sehr umstritten, da es den Schnabelgiere als Figur schon einige Jahrhunderte früher gab. Also kann das höchst wahrscheinlich nicht der Fall sein. Die Meersburger Bischöfe wollten aber eine freundlichere Figur, und so hat sich die heutige Form entwickelt. Im Stadtarchiv wird eine Schilderung aufbewahrt, wonach der Fürstbischof Max Christoph von Rodt (1775 - 1800 ) alljährlich den Korb des Schnabelgiere mit Gaben gefüllt hat. Heute wird der Inhalt des Korbes von der Meersburger Geschäftswelt gespendet.
Sein jetziges Aussehen hat er also erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der Schnabelgiere wird jetzt auch von mehreren "Dominos" begleitet, die dafür sorgen, dass dem "Schnabelgiere" niemand in den Korb greift, der mit Brötchen, Würstchen, Mandarinen und Brezeln gefüllt ist. Auch sorgen sie dafür, dass der Schnabelgiere, der wegen seiner Schnabelmaske fast nichts sieht, nicht stürzt. Die Dominos haben schwarze, rot abgefasste Kutten mit Kapuzen und eine schwarzeAugenmasken mit einem schwarzen Gesichtsschleier.
Außerdem haben sie sogenannte " Suublodere", auf Hochdeutsch "Saublasen", die mehr oder weniger schmerzhaft eingesetzt werden können, um zu lebhafte Kinder davon abzuhalten in den gefüllten Korb zu greifen..
Um mehr Leben in die Straßenfastnacht zu bringen, wurde 1956 die Narrengruppe Glonke aus der Taufe gehoben. Die Glonke stellen Tagelöhner um 1840 dar, die am Meersburger Hafen mit Be- und Entladen der Handelsschiffe ihr tägliches Brot verdienten, aber ansonsten am Hafen „herumglonkten" Sie wurden auch Dammglonker genannt. Der Glonke hat eine Holzmaske mit rot-weiß gestreifter Zipfelmütze mit blauem Rand. Er trägt schwarze grobe Schuhe, weiß-rot geringelte Kniestrümpfe, eine blaue Kniehose mit gelben Flecken. Als Oberteil hat er einen roten Kittel mit zwei 2 querlaufenden blauen Steifen am Unteren Rand. Um den Hals trägt er einen gelbbraunen Goller (Überwurfkragen) an. wpe4A.jpg (11994 Byte)
wpe4B.jpg (14987 Byte) Das oder die Hänsele gibt es wohl schon seit dem Mittelalter. Das Hänsele stellt eine Figur der ‘’Veräppelung’’ dar. Es ist eine typische Figur der Fastnacht im allemanischen Raum. Das Meersburger Hänsele (ca 1804) hatte ursprünglich „Stoffblätz" in den Stadt und Kirchenfarben (blau, rot, schwarz, gelb) und bekam erst bei seiner Neugründung 1976 das heutige farbige Häs. Als Grundfarben gibt es blau, schwarz und rot, jeweils mit blau-rot-gelben Plätz. Die Stoffmaske hat eine lange rote Stoffzunge.Seit jeher besitzt das Hänsele eine sogenannte "Karbatsche", mit der man durch das Schnellen versuchte, den Winter zu vertreiben. (Erlaubt ist das Karbatschen ab dem Drei-Königstag bis zum Aschermittwoch).
Eine weitere Gruppe, die das närrische Treiben bestimmte waren die Subegler. Der Überlieferung nach stellten sie einen Schneidergesellen aus der Biedermeierzeit dar, der einer toten Sau, anstatt wie üblich, die Borsten abzubrühen, diese mit dem Bügeleisen abbrennen wollte. wpe4C.jpg (11725 Byte)
Die Jüngste Maskengruppe sind die Burghexen. Sie gibt es erst seit 1996.Sie haben einen blauen Rock mit Fledermäusen drauf, eine braune Schürze und ein weinrotes Oberteil. Dazu tragen sie Strohschuhe und blau-gelb gestreifte Socken und einen weißen Unterrock (Hose). An ihrer Holzmaske ist ein graues Kopftuch befestigt. Bei den Ümzügen führen sie immer mit ihrem Hexenbesen akrobatische Kunststücke vor wpe4D.jpg (13409 Byte)
wpe4E.jpg (9006 Byte) Der „schmutzige Dunschdig" ist ein Haupttag der Fasnet. Er war in früheren Zeiten (Ende 3.Jhdrt) der Frauentag. Die Meersburger Jungfrauen trugen ein Stück Holz - die eichene Sul (Säule) als Fruchtbarkeitssymbol zu Ehren des germanischen Gottes Donar durch die Stadt und stellten es auf dem Marktplatz auf. Aus diesem Brauch hat sich der Narrenbaum entwickelt. Er wird von der Zimmermannsgilde heute jedoch schon eine Woche früher gestellt und dient den kleineren Narren als Kletterprobe, denn in etwa 6 m Höhe lockt ein mit Spenden der Meersburger Geschäfte reich bestückter Kranz zum Plündern. Am „Schmutzigen" findet die Schülerbefreiung und der Sturm auf das Rathaus statt. Am Abend bildet der Hemdglonkerunzug den Höhepunkt des Tages.
Aber auch viele Saalveranstaltungen, z.B. das Schnabelgiere-Allerlei, das Wizubergschwäz usw. bringen Abwechslung in die närrische Zeit.
Den Abschluss der Fasnet bildet der traditionelle Trauerzug am Aschermittwoch, an dem der Narrenbaum feierlich gefällt wird.


(Alexander Wurster)

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